Über Bjoern Candidus

Interview:


I: Wann hast du gemerkt, dass die Kunst aus dir heraus muss?


B: Das fing bereits im Kindesalter an. Wenn die Erwachsenen gesprochen haben, habe ich introvertiert dagesessen und mich auf meine Arbeit konzentriert. Dieser Schritt war also früh getan. Mit 15 oder 16 habe ich andere Techniken ausprobiert und mich neuen Themen gewidmet. Mein Interesse für Künstler wie Giger oder Dali wuchs. Das wiederum hatte seinen Ursprung in meiner Liebe zum Film. Giger hängt ganz klar mit der „Alien“-Reihe zusammen. Dali hatte mal eine Zusammenarbeit mit Jodorowsky und Möbius geplant, da ging es um „Der Wüstenplanet“. Das hat leider nie stattgefunden.


I: Wie hast du dir dein handwerkliches Können angeignet – komplett autodidaktisch oder auch mit Hilfe von Kursen?


B: Die meisten Dinge habe ich im Kunstunterricht in der Schule gelernt. Dort habe ich zum Beispiel den Kohlestift kennengelernt, auf den ich sonst gar nicht gekommen wäre. Darüber hinaus ist mir das Autodidaktische sehr wichtig, wobei ich auch ein Studium als Zeichner und Karikaturist absolviert habe. Dort habe ich aber von Anfang an das Gefühl gehabt, dass die mir eigentlich nicht mehr viel beibringen können. Das Ganze hatte aber den Vorteil, dass ich einen Lehrer hatte, der sich alles angeschaut, bewertet und kritisiert hat. Da habe ich eine Menge Bestätigung für das bekommen, was ich so mache.


I: Du hast bei unserem letzten Gespräch gesagt, dass du am besten malen kannst, wenn man jeglichen Stress von dir nimmt und du stundenlang einfach deine Ruhe hast. Was geht in solchen Momenten in dir vor?


B: Ich kann in diesen Momenten meinen Körper und meinen Geist splitten. Ich kann beim Malen Podcasts oder Musik hören oder mir einen Kopf um Dinge machen – im positiven wie im negativen Sinne. Besonders Zeichnungen mit vielen Punkten und Strichen gehen in mich über. Das ist fast wie Meditation.


I: Welche Kollegen begeistern dich am meisten? Ein paar Namen hast du ja schon genannt. Gibt es da noch welche, die du unbedingt erwähnen möchtest?


B: Was die Malerei betrifft, interessieren mich gar nicht so viele Leute. Ich lasse mich eher von Regisseuren und Kunststeller inspirieren. Da ziehe ich mehr raus. Ich mag Francis Bacon sehr, da fühle ich mich einfach wohl, weil die Motive ähnlich finster und destruktiv sein können, wie meine eigenen. Ich empfinde das aber gar nicht so. Außerdem muss man ja auch aufpassen, dass man sich nicht zu sehr inspirieren lässt. Das habe ich immer versucht zu vermeiden. Oder sagen wir es anders: Das war nie nötig, weil ich immer meine eigenen Motive hatte. Manchmal bin ich dann erstaunt darüber, dass andere Künstler, die vielleicht schon lange tot sind oder über die ich jetzt erst stolpere, mit ähnlichen Themen und Elementen gearbeitet haben wie ich. Als gäbe es eine Art universellen Code, der bei manchen Leuten in den Genen liegt.


I: Deine neue Leidenschaft sind Skulpturen. Wie bist du dabei gelandet?


B: Durch eine Biografie über Clark Ashton Smith. Er saß abends neben seiner schriftstellerischen Arbeit in einer kleinen Hütte und hat Specksteine geschnitzt. Er hat damit die Kreaturen in Stein umgesetzt, die er in seinen Geschichten geschaffen hat. Da ich mich immer für Skulpturen interessiert habe, aber nicht so recht wusste, wie ich das Thema angehen soll, habe ich mir einfach Specksteine gekauft und herumprobiert. Das Material ist sehr umgänglich. Specksteine sind einfach zu bearbeiten, weil man mit allen Gegenständen, die spitz, scharf oder rau sind, arbeiten kann. Mir ist Schnelligkeit sehr wichtig. Ich halte mich auch beim Malen und beim Zeichnen ungerne an Dingen auf. Speckstein passt wunderbar dazu, weil man damit schnell arbeiten und Ergebnisse erzielen kann. Man ist schnell fertig und kann mit der nächsten Skulptur loslegen. Ich muss mich da aber noch weiter hineinvertiefen.


I: Möchtest du noch etwas loswerden?


B: Ich werde oft mit der Frage konfrontiert, ob es mir schlecht geht oder ob ich depressiv bin oder warum ich nicht mal etwas positives male. Von mir kommt dann immer die Antwort, dass ich die Welt um mich herum sehr viel schlimmer finde als meine Motive. Außerdem empfinde ich meine Motive nicht als schlimm. Wenn man genauer hinschaut, findet man in meiner Arbeit wenig Verzweiflung. Das mag auf den ersten Blick oft so wirken, aber eigentlich sind meine Figuren und Themen befreit. Und das ist erstmal positiv zu bewerten, finde ich.


Von Timon Menge, Mountain Range Creative Factory


https://www.mrange.de/